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Dr. Michael Fuchs (CDU)

Anrede,

derzeit versucht man von verschiedenen Seiten den Menschen zu suggerieren, wir könnten, wenn wir im Jahre 2020 den Anteil Erneuerbarer Energien von 16 auf 40 % erhöht haben, die Kernkraftwerke abschalten. Dann hätten wir ja ziemlich genau den Stromerzeugungsanteil der Kernkraft von 23% ersetzt.

Solche Aussagen grenzen aber an Volksverdummung. Den Menschen zu erzählen, wir müssten einfach nur die Strommenge aus Kernkraftwerken mengenmäßig durch Erneuerbare Energien ersetzen, ist eine Milchmädchenrechnung.

Der Wind weht und die Sonne scheint nicht immer – aber wir brauchen jederzeit Strom. Also brauchen wir Energie, die grundlastfähig, also immer verfügbar ist. Und die Kernkraft deckt zwar nur 23% unseres Stroms, aber 46% der Grundlast. Dieser Anteil kann auch nicht durch andere grundlastfähige Alternativen wie Steinkohle- und Gaskraftwerke ersetzt werden, weil sie zu teuer, CO2-belastend und wie das Gas zu politischer Abhängigkeit führend sind. Somit erfüllt derzeit nur die Kernkraft die Kriterien Versorgungssicherheit, CO2-Neutralität, Preisgünstigkeit, Unabhängigkeit.

Auf die Kernkraft können wir also erst verzichten, wenn wir die Technologie haben, bspw. Windenergie zu speichern und in das Netz einzuspeisen, wenn Windflaute ist. Solange brauchen wir die Kernkraft als Brückentechnologie und können wir unsere sicheren Kernkraftwerke nicht einfach abschalten. Wenn sie unsicher werden sollten, müssen wir sie natürlich sofort vom Netz nehmen.

Aber es kann nicht angehen, sichere deutsche Kernkraftwerke abzuschalten, um aus ausländischen Meilern, die nicht den deutschen Sicherheitsstandards entsprechen, Strom zu beziehen. Das ist ökonomischer und ökologischer Unsinn.

Außerdem können wir die Zusatzerlöse aus der Laufzeitverlängerung teilweise in die Erforschung der Erneuerbaren-Energien-Technologie stecken.

Ohne Kernenergie sind auch die ehrgeizigen Klimaschutzziele der Bundesregierung und der EU nicht zu erreichen. Die Kernenergie als CO2-freier Energieträger vermeidet jährlich ca. 150 Mio. to CO2. Das ist soviel wie der gesamte deutsche Straßenverkehr emittiert. Wenn wir 40 Prozent CO2-Reduktion erreichen wollen, ist die Kernenergie über das Jahr 2020 hinaus notwendig.

Neben der CO2-Reduzierung und der bisher nicht gegebenen Grundlastfähigkeit der regenerativen Energien gibt es aber noch ein weiteres wichtiges Argument für die Laufzeitverlängerung: bezahlbarer Strom für Bürger und Unternehmen.

Lassen Sie mich dies an einem Beispiel verdeutlichen: Da mir auch die wirtschaftliche Entwicklung unserer Region sehr wichtig ist, besuche ich sehr oft die in Koblenz und Umgebung angesiedelten Betriebe und Unternehmen. Bei meinem Besuch in der Koblenzer Niederlassung des Hygieneartikelherstellers Kimberly-Clark konnte ich in Erfahrung bringen, dass dort zur Zeit jährliche Stromkosten in Höhe von 23 Millionen Euro anfallen.

Im nahegelegenen Frankreich (87% Kernenergieanteil an der Stromversorgung) hätte man bei gleichem Verbrauch jedoch nur 17 Millionen Euro zu zahlen. Ein vollkommener Ausstieg aus der Kernenergie zum jetzigen Zeitpunkt würde – in Ermangelung kostengünstiger Alternativen – bedeuten, dass die Strompreise hierzulande in erheblichem Umfange stiegen. Die Verlagerung der Niederlassung in unser Nachbarland wäre die Folge und es wäre mehr als wahrscheinlich, dass diesem Beispiel weitere Unternehmen nachfolgen würden. Was dies für das regionale Steueraufkommen und den Arbeitsmarkt zu bedeuten hätte, muss ich Ihnen nicht erst lange erläutern. Eine solche unter ökonomischen Gesichtspunkten eine fatale Entwicklung, halte ich nicht für politisch verantwortbar.

Und noch ein Wort zum Thema Sicherheit: Deutsche Kernkraftwerke haben weltweit den höchsten Sicherheitsstandard.

Jedes Jahr sind mindestens 5 deutsche Kernkraftwerke unter den „Top Ten“ der Welt. Jährlich wird jedes deutsche KKW über mehrere Wochen mit einem Aufwand von über 25 Mio. EUR von über 1000 Fachkräften inspiziert, wobei sehr viele Teile ausgetauscht werden. Jährlich so „runderneuerte“ Kernkraftwerke sind daher sicherer als zu Betriebsbeginn.

Die Laufzeitverlängerung ist nicht das Ziel, sondern das Mittel, um die Umstellung auf eine klimafreundliche Energieversorgung zu erreichen. Daher bedingen sich die Entwicklung der regenerativen Energien und die Weiternutzung der vorhandenen Kraftwerke, auch der mit Kernenergie betriebenen, gegenseitig. Quintessenz ist, dass wir nur mit einer Laufzeitverlängerung und den daraus entstehenden Gewinnen schneller von der Kernkraft wegkommen. Aus den genannten Gründen werde ich einer Laufzeitverlängerung selbstverständlich zustimmen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Michael Fuchs MdB

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