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Anrede,
vielen Dank für Ihre E-Mail vom 6. Mai 2010 zum Thema Verlängerung der Laufzeit für Kernkraftwerke.
Bei den Koalitionsverhandlungen haben wir uns zu einer ideologiefreien, technologieoffenen und marktorientierten Energiepolitik bekannt. In dem von uns angestrebtendynamischen Energiemix kommt den Erneuerbaren Energien eine ganz entscheidende Rolle zu. Es ist unbestreitbar, dass die Erneuerbaren Energien die Zukunftsenergien sind. Wir müssen unsere ganze Kraft dafür einsetzen, um die Erneuerbaren Energien zu stärken, damit sie so schnell wie möglich die konventionellen Energien ersetzen können. Mir persönlich liegt der Ausbau und verstärkte Einsatz der Erneuerbaren Energien im deutschen Energiemix sehr am Herzen.
Eine sichere, preiswerte und ökologisch verträgliche Energieversorgung ist für denmodernen Industriestandort Deutschland von höchster Bedeutung und schafft das Fundament für Wettbewerbsfähigkeit, Wohlstand und Arbeitsplätze. Deshalb wollen wir eine Energiepolitik mit Vernunft und Augenmaß.
Dazu gehört ein breit gefächerter Energiemix aus Biomasse, Wasser-, Wind-, Sonnenenergie und Geothermie sowie Erdöl, Kohle, Gas und Kernenergie. Jeder Energieträger hat seine Stärken, die wie nutzen wollen. Ohne Kernenergie ist eine globale Lösung der CO2-Problematik derzeit leider nicht möglich. Mit Wind- und Solarenergie allein sind der drastisch steigende Energiebedarf und die weltweiten Klimaschutzziele nicht in Einklang zu bringen. Deshalb wollen wir, bis die Erneuerbaren Energien in der Lage sind, unseren Energiebedarf zu decken, noch die Kernkraft. Da für uns die Kernenergie eine Brückentechnologie ist, lehnen wir den Neubau von Kernkraftwerken ab.
In einem dynamischen Energiemix sollen die bisherigen Energieträger schrittweise durch regenerative Energien ersetzt werden. Es ist keine sinnvolle Alternative, sichere deutsche Kernkraftwerke abzuschalten, um Strom aus unsicheren ausländischen Kernkraftwerken zu beziehen.
Die uneingeschränkte Sicherheit ist unser Maßstab für eine Betriebserlaubnis. Eine Laufzeitverlängerung muss einhergehen mit ständiger technischer Erneuerung und Sicherheitskontrolle. Für jedes einzelne Kraftwerk ist ein Optimierungskonzept zu erstellen.
Zusätzliche Erträge aus dem Weiterbetrieb der Kernkraftwerke sollen auch als "Ökodividende" für Erforschung, Weiterentwicklung und Ausbau der regenerativen Energien, der Speichertechnologien und der effizienten Energieverwendung genutzt werden.
Damit wollen wir die Zukunftspotenziale der regenerativen Energieträger Wasserkraft, Biomasse, Sonne, Wind und Geothermie konsequent und so schnell wie möglich heben. Bei der Solar- und Windenergie sind über technologische Innovationen die Wirkungsgrade weiter zu erhöhen und vor allem Speichermöglichkeiten zu schaffen. Die Nutzung der speicherbaren und bedarfsgerecht einsetzbaren Biomasse werden wir steigern. Unser anspruchsvolles und gleichzeitig auch realistisches Ziel ist, den Anteil der regenerativen Energien an der Stromerzeugung bis 2030 auf über 40 Prozent zu erhöhen.
Mit freundlichen Grüßen
gez. Dr. Hans-Peter Friedrich