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Angeblich erfährt die Atomenergie weltweit eine Renaissance. Deutschland sei als einziges großes Industrieland nicht mit dabei.
Doch dies ist nur Propaganda der Atomlobby. In Wirklichkeit ist die Atomenergie weltweit auf dem Rückzug: Von den 339 Atomreaktoren, die 2007 am Netz waren, werden laut „World Nuclear Industry Status Report“ bis zum Jahr 2015 ganze 90 und bis zum Jahr 2025 sogar 192 vom Netz gehen. Laut der Internationaler Atomenergie Agentur (IAEA) waren 1990 weltweit 83 Atomkraftwerke im Bau, 1998 waren es 36, heute sind es noch 34. Laufend werden mehr Atomkraftwerke stillgelegt als neu in Betrieb genommen.
Der Grund für den äußerst verhaltenen Zubau: Ein neues Kraftwerk kostet drei bis fünf Milliarden Euro. Das rechnet sich nur mit massiven staatlichen Subventionen – und bleibt auch dann für den Betreiber riskant. Beispiel Finnland: Dort baut der französisch-deutsche Atomkonzern Areva-Siemens den ersten Reaktor in Europa seit 15 Jahren. Finnlands Regierung stellte Kredite mit Ausfallbürgschaft zu niedrigen Zinssätzen zur Verfügung und garantiert den Verkauf des Atomstroms zum Festpreis. Doch trotzdem droht der Bau für die Betreiber ein Fiasko zu werden: Die Baukosten steigen von drei auf geschätzte 4,5 Milliarden Euro. Statt wie geplant 2009 geht der Reaktor frühestens 2011 ans Netz.
Der hohe Subventionsbedarf spricht dafür, dass am Ende der Großteil der derzeit überall angekündigten Projekte nie realisiert wird. Warum auch – schließlich gibt es in Europa eine ganze Reihe Länder, die ohne Atomenergie auskommen, etwa Italien, Portugal, Dänemark, Norwegen, Polen, Österreich, Griechenland und Irland.
Neue AKW haben ökonomisch nur in den Ländern eine Chance, wo sie mit gigantischen Summen subventioniert werden, beispielsweise in China, Indien oder Russland. Damit ist Atomkraft die einzige Technologie, die auch mehr als 50 Jahre nach ihrer Entwicklung nicht ohne massive staatliche Markteinführungsprogramme auskommt.